Was ist denn eigentlich dieser Tage mit den Kollegen von der Insel los? Proteste, Randale, brennende Autos, Tote. Man könnte ja fast glauben man sei im Nahen Osten. Neben all den Schreckensmeldungen habe ich mich gefragt: „Warum passiert das eigentlich? Warum hauen die Briten gerade richtig auf die Kacke, obwohl sie doch eigentlich für Tea time bekannt sind?“

Zu Anfang muss ich sagen das die FAZ einen recht guten Hintergrundartikel zu dem Thema auf das virtuelle Papier gebracht. Anders wie die meisten Boulevardblätter, die lediglich darüber berichten wie viele Menschen gestorben sind, die Polizei nicht zu Stelle und das ja alles ganz furchtbar schrecklich ist, haben es sich die Frankfurter Schreiberlinge nicht nehmen lassen – zumindest ein Stück weit – hinter die Kulissen zu schauen.

Und was soll ich sagen? Ja! Ich gebe dem FAZ-Artikel im Großen und Ganzen recht.In Großbritannien ist die Gehaltsschere wie nirgends sonst in Europa (ja, Deutschland ist impliziert) auseinandergegangen. Strikte Sparprogramme werden den Menschen auf der Insel seit Jahren aufgebrummt und langsam aber sicher werden die Folgen richtig unangenehm. Die Sparmaßnahmen wirken sich selbstredend in erster Linie auf das Leben derer aus, die ohnehin nur wenig auf der Pfanne haben. Diese Menschen sind – wie auch überall sonst auf der Welt – leicht über den Tisch zu ziehen, da sie keine Lobby haben.

Wie bizarr die Sparpläne bisweilen sind, wird in dem FAZ-Artikel klar: „Justizminister Ken Clarke wollte Tätern die Strafen kürzen, wenn sie zügig gestehen, denn langwierige Gerichtsprozesse und Gefängnisplätze seien teuer. Erst nach einem Aufschrei an der konservativen Partei-Basis pfiff ihn Cameron schließlich zurück.“

Die Menschen gehen also auf die sprichwörtlichen Barrikaden, weil der Leidensdruck so groß geworden ist, das sie es nicht mehr aushalten. Menschen haben nichts zu essen, sind teilweise seit drei Generationen arbeitslos und haben keine Perspektive. Großbritannien ist seit Jahren ein Pulverfass, verkleidet als rosarote Monarchie, in der eine Prinzenhochzeit wichtiger erscheint als das Wohlergehen der Bürger.