Tag: Frankfurt

Wenn man jemanden trifft

Das eigene Gedächtnis arbeitet mal gut und mal weniger gut. Heute war ich mit einem guten Freund am Main spazieren, nachdem wir uns dazu entschlossen hatten, um den Weihnachtsmarkt – der viel zu überfüllt war – einen großen Bogen zu machen. Wir plaudern also über Gott und die Welt. Tatsächlich ging es im speziellen um die narzisstische Depression, das aber nur am Rande erwähnt. Fast bei der Baustelle der neuen EZB angekommen, ist da dieser Typ. Ich nicke kurz und sage Hallo. Er auch. Aber wer zu Hölle war das?

Es geht mir des Öfteren so. Ich sehen Menschen. Ich kenne ihr Gesicht aber ich weiß weder ihren Namen, noch wer genau sie sind. Das Fantastische ist, das es diesen Menschen genauso zu gehen scheint. Zufall oder System? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht aber es ist doch schon kurios, oder?

Ich habe mir überlegt das es vermutlich einen Grund hat, warum man diesen speziellen Menschen nicht mehr auf dem Schirm hat. Vielleicht war es einfach jemand mit dem man nichts mehr zu tun haben möchte und daher schon vor Jahren den Kontakt abgebrochen hat. Vielleicht sind es aber auch nur Menschen, die man hin und wieder sieht ohne sie wirklich zu kennen. Etwas in der Art wie der Kassierer im Supermarkt oder ein Kellner. Am Ende des Tages wird es schon Gut sein so wie es ist.


Frankfurter Ausdruck: Visematente

Es gibt so viele schöne Redensarten und Ausdrücke die man als Frankfurter eingeimpft bekommen hat, beziehungsweise mit der Muttermilch aufgesogen hat. Einer davon ist Visematente. Hin und wieder ist es ja sehr offensichtlich wo bestimmte Ausdrücke herkommen. Bei Visematente ist das nicht ganz so offensichtlich aber am Ende doch ganz einleuchtend.

Visematente kommt aus Napoleons Zeiten. Als er mit seinen Truppen in Deutschland einmarschiert waren, haben sie zu den deutschen Mädchen gesagt: „Visitez ma tente“, was so viel bedeutet wie „Besuch mein Zelt“. Natürlich waren die Eltern der betreffenden Mädchen nicht sonderlich begeistert von der Aussicht, das es ihre Tochter mit französischen Soldaten treiben. Daher stammt dann der Ausdruck „Kind, mach bloss kaa visematende“. Als ich noch Kind war, wurde dieser Ausdruck benutzt, wenn sagen wollte: „Mach kein Quatsch“. Heute wird Visematente kaum noch benutzt. Eigentlich schade, ich finde es schön.


Die Gäfgen Entschädigung

Als Einleitung kurz zusammengefasst: Magnus Gäfgen entführte und ermordete den elfjährigen Bankierssohn Jakob von Metzler. Nun bekommt er eine Entschädigung vom Land Hessen, in Höhe von 3.000 Euro zugesprochen. Ihm wurde während des Verhörs Folter angedroht, wenn er nicht den Aufenthaltsort seines Opfers bekannt geben würde. Das tat er dann auch, leider zu spät. Der Junge wurde tot in einem Tümpel gefunden.

Das Ganze ist auf jeden Fall eine harte Probe für jeden Menschen mit ein wenig Rechtsempfinden und auch mein erster Impuls war: „Zur Hölle, das kann doch wohl nicht wahr sein. Er hat ein Kind getötet und verlangt jetzt auch noch eine Entschädigung, weil er schlecht behandelt worden ist?“ Nachdem ich mich aber ein wenig beruhigt hatte, kann man das Urteil des Gerichts schon ein Stück weit nachvollziehen. Oder sagen wir ich kann es zumindest. Ich möchte mir hier nicht anmaßen, für die Allgemeinheit zu sprechen.

Worum geht es also eigentlich? Gäfgen wurde festgenommen und die Polizei wollte den Aufenthaltsort von Jakob erfahren. Gäfgen stellt auf stur und sagt erst mal gar nichts. Die Beamten versuchen alles aber es fruchtet nichts. Dann kommt schließlich einer der Beamten auf die Idee etwas härter vorzugehen und droht ihm Folter an. Darf so etwas in einem Land passieren, das sich Rechtsstaat nennt? Die einzig mögliche Antwort kann eigentlich nur „Nein“ lauten. Würden wir so etwas tolerieren, wären wir nicht besser als jedes x-beliebige Regime, das wir sonst immer so verteufeln.

Menschlich kann ich das alles nachvollziehen. Hätte ich in dieser Situation dasselbe gemacht? Ich weiß es nicht! Als Vater von zwei Töchtern weiß ich aber, dass ich persönlich sicherlich nicht zimperlich mit jemandem umgehen würde, der eines meiner Kinder entführt hätte. Dies alles legitimiert aber nicht den Staat solche Mittel aufzufahren. Vor allem muss man sich vor Augen führen, dass all dies an einem Zeitpunkt passiert ist, an dem Gäfgen noch gar nicht rechtskräftig verurteilt worden ist.

Wenn so etwas erlaubt ist, wie weit sind wir dann davon entfernt, dass unschuldige Menschen aus ihren Wohnungen gezerrt werden – aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen – und gefoltert werden? Wir regen uns über die Gestapo, die Stasi und alle anderen auf, die so handeln. Vollkommen zu Recht. Dann dürfen wir aber für uns keinen anderen Maßstab ansetzen. Ich unterstütze auf jeden Fall das Urteil des Frankfurter Landgerichts, auch wenn mich manch einer da draußen vielleicht nicht verstehen kann.


Der Erlkönig von Goethe

In der Schule hat es bestimmt nahezu jeder schon ein Mal rezitiert. Mir gefällt es und ich poste es einfach mal ganz kommentarlos.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind. Er hat den Knaben wohl in dem Arm, Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? Siehst Vater, du den Erlkönig nicht! Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

Du liebes Kind, komm geh’ mit mir! Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir, Manch bunte Blumen sind an dem Strand, Meine Mutter hat manch gülden Gewand.

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht, Was Erlenkönig mir leise verspricht? Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind, In dürren Blättern säuselt der Wind.

Willst feiner Knabe du mit mir geh’n? Meine Töchter sollen dich warten schön, Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn Und wiegen und tanzen und singen dich ein.

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort Erlkönigs Töchter am düsteren Ort? Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’es genau: Es scheinen die alten Weiden so grau.

Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt, Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt! Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an, Erlkönig hat mir ein Leids getan.

Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind, Er hält in den Armen das ächzende Kind, Erreicht den Hof mit Mühe und Not, In seinen Armen das Kind war tot.


Greifvögel in Frankfurt

(C) Mike Baird

Viele Tiere haben sich im Lauf der Jahrzehnte dem urbanen Lebensraum angepasst und in der Großstadt eine Heimat gefunden. Viele denken dabei an Ratten oder ähnliche vermeintliche Schädlinge aber es gibt auch recht „possierliche“ Tierchen die es geschafft haben den Asphaltdschungel für sich zu nutzen.

Ein wirklich tolles Beispiel ist der Wandfalke, der in den 1960er Jahren in Europa beinahe schon ausgerottet war. In Frankfurt gibt es jedes Jahr zahlreiche Brutpaare, die es sich unter anderem auf dem Commerzbank Tower oder dem Ginnheimer Spargel gemütlich machen.

Das Thema hat mich so fasziniert, dass ich direkt einen etwas ausführlicheren Artikel für Suite101 geschrieben habe. Vielleicht interessiert es euch ja und ihr schaut mal rein. HIER geht es dann lang zum Weiterlesen.



Noah Eggmachine Aktion – Tierschutz oder Aufmerksamkeitsgeil?

Am 12. April gab es in der Frankfurter Innenstadt eine Aktion der Tierschutzorganisation Noah, welche unter dem Namen „Eggmachine“ lief. Jeder der mich kennt weiß das ich ein großer Verfechter der Tierrechte bin, allerdings fand ich besagte Aktion äußerst fragwürdig.

Heute habe ich Noah folgende eMail geschrieben:

Hallo Noah Team,

ich bin ein großer Freund von Tierschutz im generellen, allerdings muss ich gestehen das die “Eggmachine” Aktion in Frankfurt – meiner Ansicht nach – vollkommen daneben war.

Ich bin Frankfurter, habe die Aktion live miterlebt und auch das eine oder andere Wort mit den dortigen Mitarbeitern gewechselt.
Was sollte damit erreicht werden? Die meisten Menschen sind sich durchaus darüber bewusst, wie Hühner gehalten werden. In den letzten Monaten, spätestens nach dem Dioxin-Skandal, konnte man diversen Berichten auch kaum entkommen. Traurige Wahrheit ist doch, dass es den meisten Menschen schlicht und ergreifend egal ist in welchen Umständen die Tiere gehalten werden. Es gibt einen kurzen Schreckmoment, ein aufschreien und nach einigen Tagen ist wieder alles vergessen. Sehr traurig aber leider Realität.

Eine besondere Nachhaltigkeit sehe ich in einer solchen Aktion nicht wirklich gegeben. Worum ging es also? Aufmerksamkeit? Geht es überhaupt um den Tierschutz?

Von all dem abgesehen finde ich aber vor allen Dingen die Art und Weise der Präsentation nicht nur sehr fragwürdig, sondern auch moralisch zweifelhaft. Da wird auf berechtigte Missstände hingewiesen und die Tiere in genau die Situation gebracht die bemängelt werden soll? Wenn ich auf Kinderarbeit in China hinweisen will, kette ich auch keine Kinder über mehrere Stunden fest und lasse sie Puppen zusammenstecken?

Jetzt haben sie ein wenig Medienaufmerksamkeit bekommen. Eine super Sache! Für die Tiere hat es nichts gebracht, abgesehen davon das Sie eine Handvoll Hühner über mehrere Stunden gequält haben.

Wirklich schade. Tierschutz sieht für mich anders aus.

Eine Antwort gab es bislang nicht. Mal schauen ob da noch was kommt. Was denkt ihr über die Aktion?


Lehrerkooperative: Traurige Insolvenz

Seit einigen Tagen geht es schon durch die Medien, zumindest durch die im Raum Frankfurt: die Lehrerkooperative musste Insolvenz anmelden. Bei der Lehrerkooperative handelt es sich u.a. um die Nachmittagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter, bieten aber auch viele Kurse für Kids an. Davon betroffen ist auch meine älteste Tochter.

Wie es momentan weiter geht ist nicht wirklich klar. Ich möchte auch gar nicht darüber lamentieren wie es denn nun mit der Betreuung von Emily weiter geht, da wird sich auf jeden Fall irgendeine Lösung finden und im besten aller Fälle kann die Lehrerkooperative einfach weiter machen, wenn auch ein wenig abgespeckt. Was ich mich allerdings gefragt habe ist, wie es so weit kommen konnte?

Automatisch drängen sich mir die Zahlen und Berichte in den Vordergrund in denen Milliardenbeträge an – in Schieflage geratene – Banken gezahlt worden sind, alles aus einem Rettungsfonds der mit Steuergeldern bezahlt worden ist. Ob diese Banken wirklich Systemrelevant waren und sind kann ich nicht wirklich beurteilen – ich würde fast sagen Nein. Wichtiger ist doch aber die Frage (wenn sie vielleicht auf den einen oder anderen ein wenig kurzsichtig wirken könnte): sind denn Banken wirklich wichtiger als unsere Kinder? Ich kenne die Antwort und das stimmt mich traurig!

(continue reading…)


Frankfurt den Frankfurtern

Bevor ihr euch aufregt über den etwas provokanten Titel: erst mal weiter lesen! Ich war heute auf den Weg in die Innenstadt und sitze in der S5 in Richtung Hauptwache. Einen Sitzblock weiter sitzt ein Polizist (auf oder von dem Weg zur Arbeit) und starrt mit leerem Blick in die Ferne. Etwas das mich bei dem Beruf nicht weiter wundert.

Eine Frau eine Sitzreihe weiter spricht ihn an, ich konnte den ersten Satz allerdings nicht ganz verstehen.
Seine Antwort war zumindest: „Ich lebe schon seit 36 Jahren in Frankfurt.“
Daraufhin sie: „36 Jahre zu viel.“
Wiederum er: „Das sehe ich gar nicht so, ich mache meinen Job gerne.“
Sie: „Das meinte ich doch gar nicht.“

Er sagt nichts mehr, wir haben inzwischen die Haltestelle Taunusanlage erreicht und er steigt aus.
Ganz davon abgesehen das ich kein allzu großer Fan der Polizei bin, fand ich es schon irgendwie schön wie der Kollege in Blau sich für seinen Berufsstand und die Stadt in den Ring geworfen hat. Ich persönlich muss sagen das ich der absolut größte Fan von Frankfurt bin. Ich bin in der Stadt geboren und aufgewachsen und obwohl an vielen Plätzen, sowohl national als auch international gelebt habe, komme ich doch immer wieder zum dem Schluss das es keinen schöneren Platz als Frankfurt gibt.

Mir gehen diese ganzen Leute, die zwar in Frankfurt leben aber die Stadt hassen oder zumindest ganz und gar nicht mögen, gehörig auf den Sack. Die meisten machen sich nicht mal die Mühe Frankfurt und die Frankfurter richtig kennenzulernen. Zu den Leuten kann ich nur mit dem Brustton der Überzeugung sagen: „Verpisst euch!“


In Frankfurt mit der Whisky Tram

Whisky Tastings sind ja immer etwas ganz Besonderes, egal ob zu Hause oder irgendwo Professionell. Aber noch ein Stück außergewöhnlicher ist noch das Whisky Tasting mit der Tram (Straßenbahn) in Frankfurt, organisiert von WhiskyMax. Heute war es dann soweit und ich habe mein Geburtstagsgeschenk eingelöst und mich in die WhiskyMax-Tram gesetzt.

Trotz des beschissenen Wetters waren alle Beteiligte guter Dinge und nachdem wir im Whiskymax Laden in Frankfurt-Sachsenhausen einen kleinen Begrüßungstrunk (ein Lowland dessen Name mir nicht mehr einfällt) eingenommen haben, ging es dann in Begleitung des Dudelsackspielers in Richtung der Tram. Dort angekommen hat sich die ganze Bande, es waren wohl insgesamt so um die 50 Personen, verteilt und warteten gespannt.

Unter den fachkundigen Kommentaren von Jon (einem Briten im Schottenrock) ging es dann los mit den Whiskys. Bevor ich es vergessen: plural von Whisky ist tatsächlich Whiskys und nicht, so wie sonst im englischen üblich, die verändert Endung mit „ies“. Also eines muss man sagen: die Jungs haben schon gut aufgefahren. Wenn man den Begrüßungsdrink und den Absacker mit einrechnete gab es 8 Whiskys, die allesamt recht hochprozentig waren. Am Ende war man dann schon einigermaßen beschwipst.

Folgende Whisky gab es zum testen:

  • Tobermory Hogshead 14 Jahre (46%)
  • Benriach Pomerol Finish 13 Jahre (46%)
  • Glenrothes Sherry Butt 13 Jahre (48%)
  • Isla of Jura Hogshead 22 Jahre (56,1%)
  • Mull-A-Mhoine Ledaig 10 Jahre (46%)
  • The Ileach Lagavulin (58%)

Mein Favorit war der 13-jährige Glenrothes, ein Speyside Whisky, gereift im Sherry-Fass. Ein sehr sanfter, fruchtiger Whisky, der nicht nur sehr komplex war sondern auch einen sehr schönen, langen Abgang zu bieten hat. Ein toller Whisky, der mich ein Stück weit an den alten Glenmorangie Port Wood Finish erinnert hat. Lecker!



Rückkehr des Soul

Die verschiedensten Musikstile kommen mit den Jahren und gehen auch wieder. Von manchen hört man nie wieder etwas oder fristen das Dasein in einer Nische mit einer Handvoll Fans (was nicht notwendigerweise das Schlechteste sein muss). Manche Dinge waren aber nie wirklich weg, höchstens für eine kurze Zeit ein wenig leiser. So wie der Soul, der irgendwie den Weg zurückgefunden hat in den Mainstream.

Natürlich klingt der massentaugliche Soul von heute nicht mehr so wie in den 1950er oder 1960er Jahren aber man kann es noch immer heraushören. So geschehen bei dem Konzert von Ben L’Oncle Soul in der Frankfurter Batschkapp. Ich muss ehrlich sagen das ich von dem jungen Man noch nichts gehört hatte, bis ich vor einigen Tagen den Universal Music Newsletter bekommen habe, in dem ein kleiner Abschnitt diesem Soul Sänger aus Frankreich gewidmet war. Nach einigen Videos (eines davon habe ich übrigens weiter unten verlinkt) und ein bisschen Recherche war ich dann im Soul Fieber und mich spontan dazu entschieden mal dem Konzert einen Besuch abzustatten.

Die Bude war voll und zwar in einem Maße wie ich es in der Batschkapp nur selten erlebt habe, übrigens genau wie die bisherigen Konzerte von Ben L’Oncle Soul in Deutschland, von Frankreich ganz zu schweigen. Das Publikum war bunt gemischt und ging von Blutjung bis Steinalt aber alle hatten Spaß, bewegten ihren Hintern zur Musik und genossen einfach die gute Musik und das kann Ben L’Oncle Soul wirklich gut: einfach richtig gute Musik.


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    GEDANKEN... aus der Sicht und mit den Worten von: Andreas Schnell.
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