Dass das Pen&Paper Rollenspiel ein demographisches Problem hat – eigentlich genau so wie der Rest der Republik – ist kein wirkliches Geheimnis. Auf dem letzten Dreieichcon habe ich zu dem Thema einige Theorien mit Ulrich Schüppler vom Schüppler-Verlag ausgetauscht und wir haben ein paar interessante Dinge zusammengetragen. Eigentlich wollte ich davon nichts niederschreiben, doch nachdem ich einen Artikel auf der Schreibblockade gefunden und diesen kommentiert habe, dachte ich mir das es möglicherweise doch keine so schlechte Idee ist und wenn es nur dazu dient ein paar Veteranen zu unterhalten.
Vor einigen Wochen hatte ich eine Lesung auf der BuchmesseCon und in diesem Rahmen abends auch eine Podiumsdiskussion, an der u.a. auch Markus Heitz und Tom Finn teilgenommen haben. Ich wurde von Oliver Hoffmann, dem Moderator, gefragt warum ich denn glaube das Heredium erfolgreicher sein könnte als andere und wie ich an die Sache herangehe um auch junge Spieler zu motivieren. Meine Antwort war einfach: „Man muss es den potentiellen Spieler einfach machen.“ Ich denke im Prinzip ist es wirklich so einfach. Es gibt eine große Masse an jungen Menschen die grundlegendes Interesse an Phantastik und damit verbundenen Spielen haben. Man sieht das an den Heerscharen die sich für MMORPGs begeistern können. Nun ist es unrealistisch das man alle Online-Rollenspieler zum Pen&Paper führen kann aber selbst wenn es nur ein Bruchteil ist, wäre der Szene auch geholfen.
Man muss es den Kids so einfach wie möglich machen loszulegen. Dazu gehört sicherlich nicht das man erst 200 Seiten an Regeln lesen muss, um überhaupt damit zu beginnen einen Charakter zu erschaffen. Dazu gehört es sicherlich nicht das Kämpfe über Stunden ausgetragen werden und man dazu Dutzende von Tabellen bemühen muss. Es muss schnell sein, es muss einfach sein. Vielleicht rümpfen nun einige der Hardliner die Nase und meinen „Aber dann ist es kein echtes Rollenspiel mehr“ aber dazu kann ich nur sagen: „Versteht es … ihr seid eine aussterbende Art, Dinosaurier und wenn wir nicht alle etwas gemeinsam tun, stirbt unser Hobby mit euch gemeinsam aus.“
Das spielen an sich hat sich in den Jahren gewandelt und ich höre auch niemanden der den Textadventures auf dem PC nachweint. Dinge ändern sich und das Pen&Paper muss sich auch ändern damit es weiter existieren kann. Und wenn es wirklich so sein sollte das es irgendwann aussterben sollte, dann hatte es nie eine langfristige Daseinsberechtigung. Glaube ich aber nicht. Bisher haben wir es nicht geschafft eine nennenswerte Masse an Kids für Pen&Paper zu begeistern. Daher sieht man auf Cons immer die selben, alten, faltigen Gesichter und um es klar zu machen: ich nehme mich von dieser Gruppe nicht aus. Mit fast 40 Jahren gehöre ich ebenso zu der Dinosaurier-Gruppe.
Ich bin davon überzeugt das wir, wenn wir ein Fantasy-Rollenspiel erschaffen das es den Kids erlaubt innerhalb von fünf Minuten mit dem spielen anzufangen, dies ein erster Schritt sein könnte um ein wenig frisches Blut in die Szene zu spülen. Nicht länger als ein Charakter bei World of Warcraft zu erstellen und mit dem zocken loszulegen. Alles andere kommt danach: die tollen Sachen die noch im Regelbuch stehen, die aber niemanden lesen wird wenn die Einstiegsschwelle zu hoch ist. Es geht, man muss es nur machen!



