Tag: Schreiben

Rezension: Die Enden der Welt

Es stand einige Zeit auf meiner Wunschliste und Ende letzten Jahres habe ich es dann geschenkt bekommen: „Die Enden der Welt“ von Roger Willemsen. Der Rückentext war es damals auch, der mich dazu gebracht hat, das Buch lesen zu wollen. Ich zitiere: „Auf fünf Erdteilen war Roger Willemsen unterwegs, um seine ganz persönlichen Enden der Welt zu finden. An all diesen Orten kam es zu außergewöhnlichen Ereignissen und bemerkenswerten Begegnungen – Geschichten fulminant erzählt und gesättigt von den Farben der Welt.“

Ich persönlich stehe auf Reiseberichte jedweder Art. Es sind meistens Erzählungen von einer anderen Welt. Wen man reist, begibt man sich auf den Weg Neues zu erfahren, etwas das man dann in Worte fassen kann, um den Lesern eine ganz eigene Vision zu vermitteln. Ich war also recht euphorisch, als ich angefangen habe „Die Enden der Welt“ zu lesen. Ein erster Blick in das Buch verheißt dann auch viel: Willemsen erzählt seine Erlebnisse von der Eifel bis zum Senegal. Gutes Rüstzeug um den Leser einzufangen.

Schon nach den ersten Seiten wird mir jedoch klar das „Die Enden der Welt“ eines nicht ist: ein gutes Buch. Warum? Fangen wir damit an, das die einzelnen Erzählungen nicht wirklich den Eindruck vermitteln als würden sie am Ende eine komplette Geschichte ergeben. Oft weiß man nicht einmal genau, wann eine Geschichte spielt und ob die eine Episode möglicherweise chronologisch vor einer anderen geschehen ist. An einigen Stellen kann man es erahnen aber sicher sein kann man sich nicht. Was jedoch sehr viel schwerwiegender ist, ist der Umstand eine Sprache benutzt, die komplizierter und unaussagekräftiger nicht hätte sein können.

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Agonie visuell

Manchmal hat man bestimmte, ich nenne es mal, Geistesblitze. Einen hellen Moment, in dem man nicht notwendigerweise die Lösung zu einem bestimmten Problem hat, sondern viel mehr in einer Idee so gefangen ist, das man nicht mehr davon los kommt. So ging es mir heute mit der „Agonie“.

Wie bin ich darauf gekommen? Ich schreibe gerade an einem neuem Roman und für die, die es interessiert: ich bin momentan bei rund 70 Seiten angekommen und es handelt sich um eine Adaption einer alten Geschichten von Franz Kafka. Aber das nur am Rande. Ich hatte also diesen einen Satz geschrieben, in dem „Agonie“ vor kam. Auf jeden Fall ein tolles Wort, das viel öfters benutzt werden sollte (obwohl … wenn man die Bedeutung kennt, ist es vielleicht doch nicht so gut wenn es gehäuft vorkommt).

Agonie ist an sich ein recht unpräziser Begriff, wird allerdings in aller Regel benutzt um Schmerzen, den Todeskampf, die letzten Momente im Leben zu beschreiben. Ich suche also ein wenig im World Wide Web herum und finde das eine oder andere interessante Fragment zu dem Begriff. Befriedigt wurde ich dann aber schließlich von einem Bild, welches von dem österreichischen Maler Egon Schiele gemalt wurde und den Titel – man mag es kaum glauben – „Agonie“ trägt. Danach war ich wieder so weit an dem Roman weiterzuarbeiten.


Rituale strukturieren die Welt

Arbeitet man als Freiberufler, hat man mitunter viel Zeit. Immer genau dann wenn es eine Flaute gibt, zu wenig Aufträge reinflattern oder man schlicht und ergreifend keine Lust hat zu arbeiten. Nichts davon trifft gerade auf mich zu: Es gibt genug Aufträge und über mangelnde Motivation kann ich mich auch nicht beschweren. Dennoch habe ich – gebe ich offen zu – mehr Zeit als der Durchschnittsarbeitnehmer. Wie komme ich gerade jetzt auf dieses Gewäsch?

Ich war heute Mittag zuhause. Kurz vor 12 Uhr bin ich aufgewacht. Was vor allem daran lag, dass ich bis kurz vor 5 Uhr morgens geschrieben habe. Ich möchte dies nur ehrenhalber erwähnen, bevor wieder die „faule Socke“ Rufe laut werden. Da es Donnerstag war, bin ich so wie immer donnerstags, zu dem Hähnchenwagen um die Ecke gegangen, hab mir ein halbes Hähnchen und eine Pommes mit Mayo besorgt. Dann bin ich nach Hause gelaufen, hab den Biography Channel angeschmissen und mir eine Pepsi gegriffen. Alles so wie jeden Donnerstag.

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Charlotte Roche ist die beste Nutte

Ein etwas provokanter Titel, ich gebe es zu. Das Charlotte Roche die „beste Nutte“ sei ist aber keineswegs eine Behauptung, die auf meinen Mist gewachsen ist. Viel mehr sagt sie das über sich selbst, so zum Beispiel zu lesen in der heutigen Printausgabe der Frankfurter Rundschau. Sie ist dies nach eigenen Aussagen deshalb, weil sie extrem gut spüren kann, was andere möchten.

Mir – sowie jedem anderen, halbwegs klar denkendem Menschen – ist durchaus bewusst, dass dies keinesfalls eine spontan dahin gesagte Bemerkung ist, sondern viel mehr einer von vielen gut ausgeklügelten PR-Schachzügen. Nachdem „Feuchtgebiete“ ein Bestseller war (über 1,3 Millionen Mal verkauft), ist nun Roches zweiter Roman „Schoßgebete“ in den Startlöchern. Ich hege keinen Zweifel daran, dass auch dieser Roman wieder zu einem Bestseller wird.

Warum aber geht es mir heute um Charlotte Roche und nicht um eine der anderen, durchaus zahlreich vorhandenen Medien-Nutten? Ich lese durchaus regelmäßig die Frankfurter Rundschau. Mein Ritual ist es, das ich zuerst die Erste Seite lese und dann die Letzte. Eine Seite die in der Rundschau mit der Überschrift „Magazin“ versehen ist. Meistens findet sich dort ein Porträt oder Interview mit einer interessanten Persönlichkeit. Heute war dort (wie auch auf dem Bild das ich geschossen habe) Charlotte Roche zu sehen. Es ging unter anderem um ihren Auftritt bei Markus Lanz.Roche redet – wie auch nicht anders zu erwarten – von ihrem neuen Buch.

Viel persönliches, bla bla, sie möchte verarbeiten, bla bla, sie muss auf sich aufpassen, bla bla. Ich muss Frau Roche in einem Punkt zustimmen. Sie ist tatsächlich eine Nutte, allerdings nicht weil sie extrem gut spüren kann was andere möchten – wobei ich das nicht in Abrede stellen möchte – sondern weil sie sich für die Promotion ihres Buches in einer Art und Weise prostituiert, wie das nicht mal die Nutten in den Frankfurter Bordellen machen würden.

Kurz vor ihrer Hochzeit sind ihre drei Brüder in einem Autounfall verunglückt, als sie auf dem Weg zu ihr waren. Ihre Mutter kam nur knapp mit dem Leben davon. Ein tragisches Unglück. Ich kann mir den Schmerz kaum vorstellen. Charlotte Roche hat dafür mein Beileid und Mitgefühl. Dies ist auch keineswegs ironisch gemeint. Es gibt sicherlich nur wenig Schlimmeres, als Familienmitglieder zu verlieren.

Nun verarbeitet Roche aber in ihrem neuen Buch diese Erfahrung, gemeinsam mit anderen schlüpfrigen Dingen und nutzt in bester „Feuchtgebiete“ Manier die Sex-Sells Masche, gemischt mit Mitgefühl um den Verlust ihrer Brüder. Wie arm ist das denn bitte? Herzlichen Glückwunsch Frau Roche, sie sind ganz unten angekommen. Ich denke der Aufschlag war hart!



Der Erlkönig von Goethe

In der Schule hat es bestimmt nahezu jeder schon ein Mal rezitiert. Mir gefällt es und ich poste es einfach mal ganz kommentarlos.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind. Er hat den Knaben wohl in dem Arm, Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? Siehst Vater, du den Erlkönig nicht! Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

Du liebes Kind, komm geh’ mit mir! Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir, Manch bunte Blumen sind an dem Strand, Meine Mutter hat manch gülden Gewand.

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht, Was Erlenkönig mir leise verspricht? Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind, In dürren Blättern säuselt der Wind.

Willst feiner Knabe du mit mir geh’n? Meine Töchter sollen dich warten schön, Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn Und wiegen und tanzen und singen dich ein.

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort Erlkönigs Töchter am düsteren Ort? Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’es genau: Es scheinen die alten Weiden so grau.

Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt, Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt! Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an, Erlkönig hat mir ein Leids getan.

Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind, Er hält in den Armen das ächzende Kind, Erreicht den Hof mit Mühe und Not, In seinen Armen das Kind war tot.


Demographisches Problem im Rollenspiel

Dass das Pen&Paper Rollenspiel ein demographisches Problem hat – eigentlich genau so wie der Rest der Republik – ist kein wirkliches Geheimnis. Auf dem letzten Dreieichcon habe ich zu dem Thema einige Theorien mit Ulrich Schüppler vom Schüppler-Verlag ausgetauscht und wir haben ein paar interessante Dinge zusammengetragen. Eigentlich wollte ich davon nichts niederschreiben, doch nachdem ich einen Artikel auf der Schreibblockade gefunden und diesen kommentiert habe, dachte ich mir das es möglicherweise doch keine so schlechte Idee ist und wenn es nur dazu dient ein paar Veteranen zu unterhalten.

Vor einigen Wochen hatte ich eine Lesung auf der BuchmesseCon und in diesem Rahmen abends auch eine Podiumsdiskussion, an der u.a. auch Markus Heitz und Tom Finn teilgenommen haben. Ich wurde von Oliver Hoffmann, dem Moderator, gefragt warum ich denn glaube das Heredium erfolgreicher sein könnte als andere und wie ich an die Sache herangehe um auch junge Spieler zu motivieren. Meine Antwort war einfach: „Man muss es den potentiellen Spieler einfach machen.“ Ich denke im Prinzip ist es wirklich so einfach. Es gibt eine große Masse an jungen Menschen die grundlegendes Interesse an Phantastik und damit verbundenen Spielen haben. Man sieht das an den Heerscharen die sich für MMORPGs begeistern können. Nun ist es unrealistisch das man alle Online-Rollenspieler zum Pen&Paper führen kann aber selbst wenn es nur ein Bruchteil ist, wäre der Szene auch geholfen.

Man muss es den Kids so einfach wie möglich machen loszulegen. Dazu gehört sicherlich nicht das man erst 200 Seiten an Regeln lesen muss, um überhaupt damit zu beginnen einen Charakter zu erschaffen. Dazu gehört es sicherlich nicht das Kämpfe über Stunden ausgetragen werden und man dazu Dutzende von Tabellen bemühen muss. Es muss schnell sein, es muss einfach sein. Vielleicht rümpfen nun einige der Hardliner die Nase und meinen „Aber dann ist es kein echtes Rollenspiel mehr“ aber dazu kann ich nur sagen: „Versteht es … ihr seid eine aussterbende Art, Dinosaurier und wenn wir nicht alle etwas gemeinsam tun, stirbt unser Hobby mit euch gemeinsam aus.“

Das spielen an sich hat sich in den Jahren gewandelt und ich höre auch niemanden der den Textadventures auf dem PC nachweint. Dinge ändern sich und das Pen&Paper muss sich auch ändern damit es weiter existieren kann. Und wenn es wirklich so sein sollte das es irgendwann aussterben sollte, dann hatte es nie eine langfristige Daseinsberechtigung. Glaube ich aber nicht. Bisher haben wir es nicht geschafft eine nennenswerte Masse an Kids für Pen&Paper zu begeistern. Daher sieht man auf Cons immer die selben, alten, faltigen Gesichter und um es klar zu machen: ich nehme mich von dieser Gruppe nicht aus. Mit fast 40 Jahren gehöre ich ebenso zu der Dinosaurier-Gruppe.

Ich bin davon überzeugt das wir, wenn wir ein Fantasy-Rollenspiel erschaffen das es den Kids erlaubt innerhalb von fünf Minuten mit dem spielen anzufangen, dies ein erster Schritt sein könnte um ein wenig frisches Blut in die Szene zu spülen. Nicht länger als ein Charakter bei World of Warcraft zu erstellen und mit dem zocken loszulegen. Alles andere kommt danach: die tollen Sachen die noch im Regelbuch stehen, die aber niemanden lesen wird wenn die Einstiegsschwelle zu hoch ist. Es geht, man muss es nur machen!


E-Book vs. Gedrucktes Buch

Schon seit einiger Zeit schwirren Debatten um das oft zitierte E-Book, Urheberrechtsproblemen und den „bevorstehenden Tod“ des gedruckten Buches durch die multimediale Landschaft. Eine Frage die sich mir dabei stellt ist, oft vielleicht ein Großteil der Ängste daher rührt, dass die „konservativen“ Journalisten, Autoren und Verlagshäuser einfach nur ihre Felle davon schwimmen sehen und nicht dazu bereit sind sich selber und ihr Business zu ändern?

Anlass zu diesem Beitrag hat mit der Artikel „Die digitale Dimension lässt die Verleger erbleichen“ in der FAZ gegeben, der das Thema aufgreift.
Ich persönlich, jemand der selbst vom schreiben lebt, sehe das Ganze sehr viel weniger dramatisch. Viel mehr ist es eine Chance für kleinere Verlage, freiberufliche Autoren und Journalisten, die altbackenen Strukturen des Verlagswesens aufzubrechen um neuen Wind in die Sache zu bringen.

Der Buchmarkt im gesamten ist eher rückläufig, man sieht es zum Beispiel an dem Fantasy-Genre. Während es vor einigen Jahren noch sehr viele Regale waren, die man in großen Buchhandlungen sehen konnte, welche voll gestopft waren mit den unterschiedlichsten Fantasy-Büchern, sind es jetzt nur noch einige wenig. Es ist klar, die großen Publikumsverlage gehen auf Nummer sicher und kümmern sich eher um Übersetzungen von Werken, die beispielsweise in den USA schon erfolgreich gelaufen sind. Die kleinen Verlage können jetzt die Chance nutzen und das, was über den Tellerrand überschwappt, einfach aufnehmen. Der Markt ist auf jeden Fall da. Wie man das ganze dann an den Mann bringt, ob digital oder via Druck, dass ist eine andere Frage, die meines Erachtens nach eher sekundär ist.

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    GEDANKEN... aus der Sicht und mit den Worten von: Andreas Schnell.
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